Fallbeispiele zur Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer

Nutzen Sie das Steuerrecht für sich

#01 Lebensversicherung besser für den Partner abschließen

Eine Mandantin erhielt nach dem Tod Ihres Ehemannes aus einer Lebensversicherung 800.000 €. Die Versicherung hatte der Ehemann zu seiner Zeit selbst abgeschlossen und seine Ehefrau als Begünstigte eingetragen. Nun stellte sich die Frage, ob die Auszahlung der Lebensversicherung grundsätzlich der Erbschaftsteuer unterliegt.

Das Erbschaftsteuergesetz bestimmt, dass alle Erwerbe von Todes wegen einer natürlichen Person der Erbschaftsteuer unterliegen (§ 1 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG). Dazu zählen auch alle Leistungen aus Lebensversicherungsverträgen des Erblassers (§ 3 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG). Somit unterliegt die Summe der Lebensversicherung im vorliegenden Fall grundsätzlich der Erbschaftsteuer. In welcher Höhe tatsächlich Steuern zu zahlen sind, hängt unter anderem davon ab, ob weiteres Vermögen an die Ehefrau vererbt wurde.

TIPP Hätte die Ehefrau die Lebensversicherung auf das Leben des Ehemannes abgeschlossen, dann würde die Auszahlung der Versicherung nicht der Erbschaftsteuer unterliegen, weil der Vertrag nicht vom Erblasser abgeschlossen wurde.

#02 Von Mallorca nach Hamburg vererben

Ein deutscher Staatsbürger lebte seit Jahrzehnten auf Mallorca. Er hinterließ sein gesamtes Vermögen einem Verwandten, der in Hamburg lebt. Der Erbe war nun der Überzeugung, dass er in Deutschland keine Steuern auf das geerbte Vermögen zu zahlen hätte, weil das Vermögen im Ausland läge und der Erblasser seinen einzigen Wohnsitz in Spanien hatte. Das gesamte Erbe (Vermögensanfall) unterliegt allerdings der deutschen Erbschaftsteuer, weil der Erbe zum Zeitpunkt des Todes ein Inländer war. Es kommt nur darauf an, dass mindestens einer der Beteiligten - also der Erblasser oder der Erbe - zum Zeitpunkt der Steuerentstehung ein Inländer ist.

Der Erbe hatte im vorliegenden Fall seinen Wohnsitz in Deutschland, deshalb unterliegt diese Erbschaft auch der deutschen Erbschaftsteuer. Auf eine etwaige andere, als die der deutschen Staatsbürgerschaft des Erben, kommt es nicht an.

TIPP In derartigen Fällen sollten Nachlässe bereits zu Lebzeiten so geplant werden, dass der für Sie eintretende Steuerschaden im Todesfall vermieden werden kann.

#03 Wie Sie 400.000 € Freibetrag sichern

Mein Mandant hatte in seinem Testament verfügt, dass seine Lebensgefährtin, mit der er nicht verheiratet ist, zur Vorerbin einsetzt wird. Als Nacherben bestimmte er gleichzeitig seinen Sohn. In diesem Fall ging es um die Frage, wie die Erbschaft von der Lebensgefährtin auf den Sohn des Erblasser zu besteuern ist.

Grundsätzlich handelt es sich steuerlich bei der Nacherbschaft um einen Erwerb des Nacherben vom Vorerben und nicht vom ursprünglichem Erblasser (§ 6 Abs. 2 Satz 1 ErbStG). Das heißt zunächst, dass der Sohn das Vermögen von der Lebensgefährtin des Vaters erbt und nicht von seinem Vater. Ihm stünde somit lediglich ein Freibetrag von 20.000 € zu. Die Erbschaft würde deshalb mit einem hohem Steuersatz belegt werden.

Das Erbschaftsteuergesetz gewährt dem Nacherben in derartigen Fällen allerdings das Wahlrecht, bei der Erbschaftbesteuerung die persönlichen Verhältnisse zum ursprünglichem Erblasser zugrunde zu legen (§ 6 Abs. 2 Satz 2 ErbStG). Nach dem Tod der Lebensgefährtin des Vaters kann der Sohn des Erblasser einen entsprechenden Antrag stellen, so dass ihm der Freibetrag in Höhe von 400.000 € und ein deutlich günstigerer Steuersatz gewährt würde.

ACHTUNG Dieses Wahlrecht ist nicht in Schenkungsfällen anwendbar, sondern nur nach dem Tod des Vorerben möglich.

#04 ACHTUNG: Steuerfalle bei Eheschließungen im Ausland

Der nachstehende Sachverhalt wurde mir zur Beurteilung vorgelegt: Zwei in Kapstadt lebende Südafrikaner planen ihre Hochzeit. In Südafrika gilt der allgemeine Güterstand der Gütergemeinschaft. Einer der zukünftigen Ehepartner ist weitestgehend mittellos, während der andere Ehepartner ein Mehrfamilienhaus in Hamburg besaß. Aufgrund der Heirat und der Begründung des Güterstandes der Gütergemeinschaft würde der mittellose Ehepartner in Höhe der halben Immobilie bereichert. Dieser Vorgang wäre in Deutschland schenkungsteuerpflichtig (§§ 2 Abs. 1 Nr. 3 und 7 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG). Die Hälfte des Immobilienwertes müsste sofort in Deutschland versteuert werden.

LÖSUNG und TIPP Da in einigen Staaten – wie in Südafrika – der Güterstand der Gütergemeinschaft automatisch mit der Heirat eintritt und somit bei deutschem Vermögen eine deutsche Schenkungsteuer auslösen kann, sollte in einem Ehevertrag die Gütergemeinschaft ausgeschlossen werden.

Reagieren Sie gleich! Rufen Sie uns an: 0421 566420-0